Krieg und Sanktionen: An der Bäckertheke noch nicht zu spüren

Noch steigen die Preise
für Brötchen und Brot nicht

Bäckermeisterin Christina Hesse sieht die Preisentwicklung erst am Anfang.
Schlimm wird es ihrer Meinung nach mit der neuen Ernte im Herbst.


Der Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen den Angreifer Russland haben weitreichende Folgen. Sicht- und spürbar sind etwa die steigenden Kosten an den Zapfsäulen. Doch die aktuellen Preissteigerungen sind, so sieht das die stellvertretende Innungsobermeisterin der Bäcker im Landkreis Helmstedt, Christina Hesse, nur der Anfang. Zwar sei die Lage bereits schwierig, etwa auf dem energetischen Sektor, aber: Noch böser werde es vermutlich im Spätsommer und Herbst, wenn die neue Ernte kommt. Und dafür sei nicht alleine der Krieg verantwortlich, ist sich Hesse sicher.

Es sei heftig, was etwa im Energiebereich gerade passiere, sagte die Bäckermeisterin in einem Telefonat, wobei sie selber durchaus noch Durchhaltevermögen habe: „Wir haben langfristige Kontrakte abgeschlossen. Diese Entwicklung konnte so niemand vorhersehen“, so Hesse. Und das gelte auch für die Energieversorger. Großtbetriebe würden das noch deutlicher spüren, auch was die Entwicklung der Treibstoffpreise betrifft.

Langfristiges Handeln sei in diesen Tagen aber besonders wichtig, auch, was das Mehl angeht. „Auch da haben wir langfristige Verträge geschlossen.“ Man müsse weitsichtig handeln und Verträge für mindestens ein oder zwei Jahre abschließen“, meint die stellvertretende Innungsobermeisterin. Einen Obermeister oder eine Obermeisterin gibt es bei den Bäckern derzeit nicht.

Für die Zukunft mal Hesse ein düsteres Bild, gerade, was das Mehl angeht. „Was mit der neuen Ernte ist, steht in den Sternen.“ Es gehe um backfähiges Mehl etwa. Da spiele auch die Politik eine große Rolle: „Wenn es keinen Dünger mehr gibt, der Landwirt nicht düngen kann, sinkt die Menge des Getreides, aus dem backfähiges Mehl werden kann.“ Heißt: Das Getreide sei dann nur noch als Futtergetreide geeiegnet. Hesse spielt damit auf die Verschärfung der Düngeverordnung an, ein Thema, das die Landwirtschaft ebenfalls umtreibt, denn auch dort warnt man eindringlich vor drohenden Qualitätsverlusten auf den Feldern.

Landwirt Tilmann Schwartzkopff aus Büstedt im Helmstedter Nordkreis bestätgt das Problem. „Die Backfähgkeit des Weizens wird über dessen Proteingeahlt gesteueret. Den bekomme ich nur über den Dünger Stickstoff in das Korn. Ist der nicht in ausreichendem Maße vorhanden, kann ich zwar dickes Korn ernten, das aber nicht backfähig ist“, sagte er in einem Telefonat. Die Verordnung kennzeichnet vermeintlich besonders belastete Flächen rot. In diesen Gebieten müssen Landwirte 20 Prozent unter dem errechneten Bedarf düngen. „Und dann weiß ich, dass mein Getreide von diesen Flächen schlechter Qualität ist. Das treibt einem vor der aktuellen geopolitischen Lage die Zornesröte ins Gesicht.“ Schartzkopff kann nicht verstehen, warum die Verordnung nicht vorübergehend ausgesetzt wird, denn: „Die könnenn wir uns aktuell eigentlich nicht leisten“, warnt er vor einem drohendem Getreidemangel.

Weniger backfähiges Getreide aus Deutschland erfordert den Import von Getreide aus dem Ausland. Doch gerade die Ukraine und Russland fallen als Lieferanten aus. Und das, so fürchtet Bäckermeisterin Christina Hesse, werde sich massiv aus den Preis auswirken. Ihr eigener Betrieb habe die Preise nach Jahren erst im Januar angepasst. Und selbst dieser Prozess verursacht nach ihren Aussagen Kosten. Für Kunden heißt das zur Zeit: Noch werden die Brötchen und das Brot nicht teurer. Für die Zukunft sagt sie vorher: „Man muss genau planen und manches Produkte vielleicht mal weglassen. Ich versuche, einigermaßen einzukaufen, damit ich die Preise halten kann.“

Deutschland komme insgesamt aber noch gut davon, trotz Mangels an Weizen, Sonnblumenkernen, Ölen und anderen Produkten. Viel schlimmer, so Christina Hesse, werde es ärmere Länder treffen, und am Ende sieht sie eine weitere Fluchtbewegung.

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